Ich bin Mira, Sexualtherapeutin, und begleite Frauen dabei, ihre Lust wiederzufinden.
Diese Geschichte von Katharina* zeigt, warum Lust mehr Körper braucht. 

„Ich glaube, ich hab’s verstanden.“ Katharina stand an der Terrassentür und schaute aufs Meer.

Ihr Gesicht wirkte weich und entspannt, anders als bei unserer Ankunft.
Sie setzte sich zu uns, sie nahm einen Schluck Kaffee lächelte uns an.

Als das Schweigen bricht

Kurz nach Ankunft in unserem Domizil, war Katharina in Tränen ausgebrochen.
Sie erzählte uns, dass sie die Sexualität mit Ihrem Ehemann seit einigen Jahren vermied.

„Wie ihr habe seit mehreren Jahren keinen Sex mehr?“ Dora stellte eine große Kanne mit Tee auf den Tisch und schaute Katharina erstaunt an.

Wir verbrachten ein gemeinsames Wochenende am Meer, um Katharinas Geburtstag nachzufeiern. Der Regen prasselte heftig gegen die Terrassenfenster und wir richteten uns auf einen gemütlichen Abend in dem kleinen Wohnzimmer ein.

„Doch, ab und zu haben wir schon Sex. Aber es geschieht nur noch sehr selten, dass ich mich wirklich einlassen kann.“ antwortete Katharina.
Ich wusste nicht, was ihr mehr zu schaffen machte, die Trauer über den Verlust der sexuellen Intimität oder die Scham uns davon zu berichten.

„Weil Du keine Lust auf Sex hast? Oder weil der Sex mit Deinem Mann einfach nicht gut ist?“ fragte Elisa nach.

Dora, Elisa und ich hatten es uns mittlerweile zu Gewohnheit gemacht Probleme und Hindernisse dieser Art direkt zu benennen und bei Bedarf gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

„Früher habe ich den Sex mit ihm ehrlich genossen. Aber seit ein paar Jahren kann ich mich einfach nicht mehr darauf einlassen.“ erklärte und Katharina.

Sie schilderte uns, dass sie beim Sex nicht zur Ruhe kam und permanent darüber nachdachte, was sie noch zu erledigen hatte.
„Wenn es nicht die To-do-Liste ist, dann fallen mir immer irgendwelche ungeklärten Situationen ein.“

Katharina wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, seufzte tief und schaute uns ratlos an.

Unter uns

„Was habt ihr bisher ausprobiert?“ erkundigte sich Elisa.
Katharina schüttelte den Kopf, „Wir sind echt ein super Team, aber über Sex können wir nicht gut sprechen. Bei dem Thema drehen wir uns nur im Kreis.“

Ich wurde den Eindruck nicht los, dass sie sich schuldig fühlte, den Anspruch hatte funktionieren zu müssen, auch beim Sex.

Den Rest des Abends tauschten wir uns zu viert über unsere unterschiedlichen sexuellen Erfahrungen aus. Wir sprachen viel darüber wie Sexualität sich scheinbar immer wieder veränderte und wie herausfordern es war sich von den alten sexuellen Stigmata zu lösen.

Müde von weinen und vom monatelangem halten der Trauer ging Katharina schlafen.

„Scheint als würde Sexualität in jeder Beziehung früher oder später zur Herausforderung werden.“ Die Erinnerung an all die unausgesprochenen Konflikte rund um das Thema Sex gruselten mich noch heute, selbst wenn ich schon seit Jahren Single war.

Bevor wir zu Bett gingen, besprachen Elisa, Dora und ich noch den nächsten Tag.

Wir wollten Katharina einen Wellness-Gutschein für zwei zum Geburtstag schenken, beschlossen jedoch gemeinschaftlich, dass die Idee nicht mehr passend war. Ein Wellness-Wochenende klang zu sehr nach Romantik.

„Was schenken wir ihr dann?“, fragte ich.

„Ich erinnere mich gut daran, wie belastend das war nicht zu verstehen, weshalb ich einfach keinen Sex mehr haben wollte.“ Dora seufzte, bereitete ihre Schreibutensilien und Katharinas Geburtstagskarte auf den Tisch aus.

Ich fragte die beiden was ihnen in der Situation geholfen hätte.
Sie schauten mich beide an und lachten. In den letzten Monaten hatten sich unsere Gespräche vor allem um Sexualität gedreht und darum, wie Lust und Intimität mehr Raum in unseren Leben bekommen konnten.

Wir waren uns rasch einig, dass wir diese kleine Tradition aufrechterhalten wollten und Katarina zu ihrem Geburtstag etwas schenken würden, was sie dabei unterstützen könnte, neue Ideen zu entwickeln.

Das erotische Geschenk

„Ich denke, wir sollten ihr einen Dildo schenken. Dann kann sie ohne Performance-Druck ausprobieren, was ihr wirklich Lust bereitet.“ sagte Elisa.

„Ja, das ist eine gute Idee.“ fügte ich hinzu. „Wenn ihre Gedanken die Lust einfach ausbremsen können, bedeutet das vielleicht auch, dass sie beim Sex eher weniger aktiv ist.“

Elisa recherchierte, wo wir am nächsten Morgen noch einen Dildo kaufen könnte, während Dora und ich eine kurze Anleitung für eine erotische Übung ​​​​formulierten.

Wir schrieben drei simple Schritte auf die Katharina dabei unterstützen würden, Lust wieder mehr spüren ​und halten ​​zu können.

💡 Warum Gedanken Lust verdrängen und wie Du Deiner eigenen Lustspur folgen kannst
Antworten und eine Anleitung (Download) findest Du unten in den FAQ.

Katharina war gerührt als wir ihr das Geschenk überreichten. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass wir uns weiter Gedanken um ihre Sexualität machten. Verlegen lass sie sich die Übungs-Anleitung durch und legte den Dildo samt Karte auf ihren Nachttisch.

„Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen“, flüsterte Elisa uns zu.

„Was genau hast du verstanden?“, fragte ich Katharina, nachdem sie sich zu uns gesetzt hatte.
Dora, Elisa und ich waren wahnsinnig neugierig.

„Ich bin der Anleitung gefolgt, bin die gesamte Zeit meiner Genussspur gefolgt.“ Katharina lächelte. „Das war seit langem das Beste, was ich erlebt habe.“

Wir lachten.

„Ich weiß ja nicht, ob sich das so auf den Paarsex übertragen lässt. Meine Gedanken sind ja jetzt nicht für immer weg, aber zumindest habe ich erlebt, wie es ist Lust zu spüren, ohne dass meine To-do-Listen alles verdrängen​​.“

Wir erzählten Katharina von den unterschiedlichen Erfahrungen die wir in den letzten Monaten gesammelten hatten.

Darüber wie Dora die Vagina entdeckt hatte, Elisa den Vibrator immer häufiger in der Schublade liegen ließ und ich, ich ertappte mich dabei, dass ich noch nicht wusste, wonach ich mich eigentlich sehnte.

Von Herzen,

P.S. Deine Fragen zur Lust

Erkennst Du Dich in Katharinas Geschichte wieder?
In den FAQ weiter unten erfährst Du mehr darüber und wie Du Deine Beziehung zu Deiner Lust vertiefen kannst.

Wenn Du Fragen zum Thema hast– oder Du mir Deine eigene Geschichte erzählen möchtest, dann schreib mir gern eine Nachricht.


P.P.S. – Dein nächster Schritt

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FAQ: Wenn Gedanken die Lust verdrängen

Ja, das der Kopf denkt ist normal. Störend werden Gedanken, wenn sie so viel Raum einnehmen, dass wir den aktuellen Moment (z.B. Sex) nicht erleben oder genießen können.

Sehr viele Menschen kennen das.

Studien zeigen, dass kognitive Ablenkung beim Sex bei Frauen deutlich häufiger vorkommt als bei Männern – und direkt damit zusammenhängt wie viel Lust und Befriedigung sie erleben.

 

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Mehr erfahren?

Studien: Cognitive Distraction and Women’s Sexual Functioning | Dove & Wiederman (2000)

Mindfulness-Intervention, UBC – Studie zu automatischen Gedanken beim Sex | Brotto et al. (2014)

 

Loslassen keine Entscheidung.

Unser Nervensystem braucht bestimmte Bedingungen, um sich zu öffnen – Kontakt, Sicherheit, Raum und häufig auch Zeit.
Wenn wir den Alltag nicht bewußt hinter uns lassen, bleibt die „Lust-Bremse“ aktiv.

Lust ist in der Regel da, sie braucht nur die Chance sich zeigen zu können.

Dazu kommt etwas Spannendes aus der Neurobiologie:

Lust entsteht dort, wo das Gehirn gut mit dem Körper verbunden ist. Diese Verbindungen wachsen durch Aufmerksamkeit, durch Berührung, durch Neugier. Das Gehirn ist formbar – und jede bewusste Wahrnehmung des eigenen Körpers stärkt genau diese Verbindung.

In der Regel bedeutet es das nicht. 

Gedankenwandern beim Sex sagt mehr darüber, wie viel Stress oder inneren Lärm Du gerade trägst – und wie wenig Raum Du Dir selbst gibst bevor der Sex beginnt.

Das Gespräch mit dem Partner lohnt sich immer, wenn ihr konflikthafte Situationen miteinander halten und lösen könnt.
Wenn das momentan nicht gut möglich ist, mach Deinen eigenen ersten Schritt und finde heraus, was Deiner Lust im Weg steht.

Mindfulness ist ein guter erster Schritt – den Körper wahrzunehmen und die Aufmerksamkeit immer wieder zurückzubringen sind für das Erleben von Lust essenziell. Das kann man auch alleine üben, im Alltag, nicht nur beim Sex.

Therapie ist sinnvoll, wenn das Gedankenwandern tiefer sitzt – wenn hinter der To-do-Liste etwas anderes wartet das sich nicht durch Übungen und Alltagsgespräche auflöst.

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Mehr erfahren?

Buchempfehlungen: „Befreite Lust“ – Ein Übungsbuch für Frauen | Julia Sparmann | Hirzel S. Verlag

Der eigenen Lustspur folgen (PDF)
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  1. Vor Sex und Selbstbefriedigung

    Den Alltag bewusst abschütteln – ob Körper eincremen, Selbstmassage oder zu Deiner Lieblingsmusik tanzen. So fährst Du Dein Nervensystem runter und schaffst Raum für Entspannung und Lust.

    Wenn Du nicht weißt, wo anfangen – mach es klein. Tu einfach das, worauf Du gerade Lust hast.

    „Was Du tun würdest, wenn niemand zuschaut?“

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  2. Vom Genuss zur Lust

    Wenn Du Dich wohl fühlst berühre langsam Deinen Körper und integriere dabei Deine Brüste, Po, Innenschenkel und Vulva.

    Wenn Gedanken auftauchen, ist das normal. Bring Deine Aufmerksamkeit einfach immer wieder zurück. Spüre die Empfindungen und folge Deiner eigenen Genussspur.

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  3. Aufmerksamkeit zum Körper

    Wenn Du erregt bist, integriere Deine Vagina in die Übung, indem Du einen Finger oder einen Dildo einführst. Du musst nicht viel tun, es reicht, wenn Du Deinem Körper lauscht und Deinem Genuss und Deiner Lust folgst.

    Wenn es Dir schwerfällt Erfolge anzuerkennen, schreib kurz auf was Du erlebt hast. Zähle alle zarten sowie intensiven Körperempfindungen wie Wärme, Kribbeln, Pulsieren, Druck auf.

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>> Übung hier als PDF herunterladen – coming soon