Ich bin Mira, Sexualtherapeutin, und begleite Frauen dabei, ihre Lust wiederzufinden.
Die Geschichte von Anna zeigt, die erste achtsame Begegnung mit dem eigenen Geschlecht.
„Du kannst nicht erwarten, dass ich dich bei etwas unterstütze, was ich einfach nicht gut finde, Anna.“
Anna rief nur selten an. Sie verschmolz in ihren Beziehungen regelrecht, bis die perfekte kleine Welt, die nach wenigen Jahren ihren Glanz verlor. Wir kannten uns seit der Schulzeit – sie war meine älteste Freundin.
Wir sprachen seit einer Stunde, mir war nicht klar, weshalb sie mich angerufen hatte. Die Welt, in der man seinen Körper beliebig verändern konnte, war mir immer fremd geblieben.
„Ich weiß“, sagte sie leise.
Wir schwiegen einen Augenblick. Dora ging mir durch den Kopf – sie war vor Wochen in das Thema weibliche Sexualität eingetaucht und wirkte selbstbewusster denn je.
„Was hältst du von einem Experiment, Anna? Wir treffen uns mit Dora, die ist gerade mit dem Thema beschäftigt.“ Die Worte sprudelten vor Erleichterung aus mir raus, sodass wir beide lachen mussten.
„Und was wird das für ein Experiment?“
„Lass dich überraschen, Anna“, sagte ich, bevor wir auflegten.
Das Experiment
Ich schrieb Dora eine lange Nachricht, in der ich ihr erklärte, worum es ging.
„Uff… Vulva operieren?“ schrieb sie kurz zurück. „Mit meiner Vulva habe ich mich ehrlich gesagt noch nicht beschäftigt. Das Vagina-Mapping hat mich die letzten Monate echt beschäftigt.“
„Dora, fällt dir nicht irgendwas ein, wie wir Anna unterstützen können? Ich glaube, sie braucht uns, sonst hätte sie mich nicht angerufen.“
„Alles klar. Ich schaue, was ich dazu finde.“
Mir fiel ein Stein vom Herzen.
Bereits am Abend ploppte auf WhatsApp eine Gruppen-Anfrage auf. Dora hatte unsere Gruppe „Vulva-Experiment“ genannt und eine Umfrage mit Terminvorschlägen gesendet. Ich schickte einen lachenden Smiley in die Gruppe.
Das unbekannte Erkunden
Wenige Tage später trafen wir uns. Dora hatte uns zu dem größten Buchladen der Stadt gelotst.
„Okay, und jetzt?“, fragte Anna.
Ich zuckte mit den Achseln – Dora hatte das Experiment geheim gehalten. Wir bekamen die Anweisung, eine ruhige Ecke in dem Geschäft zu suchen. Letztendlich saßen wir auf großen Sitzsäcken und Dora kam mit einem großen Buch um die Ecke. Ein Buch mit Vulven-Abbildungen.
Sie setzte sich zwischen uns, legte das Buch auf ihre Oberschenkel und schaute uns an.
„Okay, wir sind hier, um unsere Vulven besser kennenzulernen.“ Anna und ich nickten.
„Seid ihr bereit?“
Wir nickten wieder.
„Los geht’s.“
Sie schlug das Buch auf und blätterte zum ersten Foto. Eine fremde Vulva zu betrachten war so intim, dass es sich fast unheimlich anfühlte. Ich kannte meine eigene Vulva, hatte mich ihr aber nie insbesondere gewidmet.
Dora blätterte langsam durch das ganze Buch. Wir waren erstaunt, wie unterschiedlich sie aussahen. Die Größe der inneren und der äußeren Labien, die Lage und Sichtbarkeit der Klitoris, die Öffnung der Vulva – sogar die Farbe der Vulven war fundamental unterschiedlich. Manche Vulven erschienen zart und elegant, manche wirkten kraftvoll und stark.
„Und? Würdet ihr eure Vulva wiedererkennen?„
Anna und ich nickten.
„Ja, doch – da gibt es die eine oder andere Vulva, die ihr ähnlich ist.“
„Und was sagt ihr: Wie würdet ihr die eigene Vulva bewerten?“
„Also… da finde ich meine Vulva schon schöner als die meisten.“ Anna war selbst erstaunt über ihre Erkenntnis.
Dora und ich schlossen uns ihr an.
„Okay, dann lasst das mal sacken“, sagte Dora. „Schritt 2 bekommt ihr später im Gruppen-Chat.“
Der freundliche Blick
Am Abend kam die versprochene Nachricht.
Dora forderte uns auf, unsere eigene Vulva im Spiegel zu betrachten. Sie gab uns den Auftrag, genau hinzuschauen: Größe, Lage, Farbe, Struktur der einzelnen Teile. Im Anschluss sollten wir eine kleine Zeichnung von unserer Vulva machen.
Ich setzte mich vor meinen Spiegel im Schlafzimmer und schaute mir in Ruhe meine eigene Vulva an. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir meine Vulva in dieser Ruhe anschaute. Es war, als würde ich sie mit meinen Augen begreifen. Je länger ich mir den Linienverlauf der Labien anschaute, die Größe der Klitoris, den Abstand zwischen Klitoris und Vagina – desto freundlicher wurde mein Blick.
Ich schaute meine Vulva gerade das erste Mal freundlich an. Ich war verblüfft.
Mit Stift und Papier setzte ich mich an den Tisch und zeichnete die Linien. „Kein Perfektionismus beim Zeichnen!“ hatte Dora geschrieben. Ich zeichnete meine Vulva aus der Erinnerung, und auch meine unperfekte Zeichnung war gefüllt mit dem freundlichen Blick.

💡 Wie funktioniert die Übung genau? Und warum hilft genau hinzuschauen wirklich?
Die Antworten findest Du in den FAQs weiter unten – inklusive einer kurzen Anleitungen.
💡 Wie funktioniert die Übung genau?
Und warum hilft genau hinzuschauen wirklich?
Die Antworten findest Du in den FAQs weiter unten – inklusive einer kurzen Anleitungen.
Gemeinsame Erkundung
Ich schickte ein Foto von meiner Zeichnung und ein paar Stichpunkte zu der Erfahrung in den Chat. Wenige Stunden später folgten die Nachrichten von Dora und Anna.
Anna berichtete, dass sie sich die Übung schlimmer vorgestellt hatte, als sie dann wirklich war. Ihre Zeichnung zeigte eine Vulva, die harmonisch wirkte. Aus ihrer Zeichnung konnte ich ihren radikalen Änderungswunsch nicht ablesen. Ich war neugierig, ob sich der Wunsch verändern würde.
„Anna wenn du noch irgendwas brauchst, sag Bescheid“, schrieb Dora ein paar Tage später in die Gruppe.
Anna antwortete nicht mehr.
Ich weiß nicht, wie ihre Geschichte ausgegangen ist. Ob sie sich für oder gegen die OP entschieden hat.
Manchmal denke ich daran, wie überrascht ich war, als ich meine eigene Vulva zum ersten Mal mit freundlichen Augen betrachtete. Diese Erfahrung hat etwas in mir verändert – nicht nur, wie ich meinen Körper sehe, sondern auch, wie selbstverständlich ich über Sexualität spreche. Vielleicht war das Experiment nicht nur für Anna gedacht.
Von Herzen,

P.S. – Dein nächster Schritt
Erkennst Du Dich in Annas Geschichte wieder?
Im Frühjahr 2026 startet meine nächste Mini-Gruppe Sex, Love, Relate (max. 6-7 Teilnehmerinnen). Gemeinsam lernen wir, Scham abzulegen, den Körper neu zu spüren und Lust wiederzufinden.
Sex Love RelateManchmal braucht Lust nur eins – Zeit.
1× Einzelgespräch + 10× Gruppe · online · 6-7 Frauen
Was Dich erwartet:
10 Wochen Begleitung – mit Struktur, aber ohne Druck.
Wöchentliche Live-Sessions – für Austausch und Fragen
Praktische Übungen – wie Doras Tagebuch, Schritt für Schritt
Geschützter Raum – für alle Fragen, die Du Dir bisher nicht zu stellen getraut hast.
.
👉 Interesse? Vereinbare ein kostenloses Kennenlerngespräch.
Doras Weg begann mit 5 Minuten täglich – Deiner kann es auch.



