Ich bin Mira, Sexualtherapeutin, und begleite Frauen dabei, ihre Lust wiederzufinden.
Diese Geschichte von Dora (Name geändert) zeigt, wie der Weg zurück zum eigenen Körper beginnt.

Verbannte weibliche Lust.

Dora saß da, sie war angespannt und schaute nervös umher. Ich setzte mich zu ihr an den Tisch und bestellte mir einen Ingwertee.

„Es war schrecklich“, brach es aus ihr heraus. „Es fühlt sich hässlich an.“

Bei unserem letzten Treffen unterhielten wir uns über unsere sexuellen Erfahrungen. Dora vertraute mir an, dass sie Sex eigentlich nicht besonders mochte. Sie hatte Angst, ihre Beziehung zu verlieren – wegen fehlender Lust auf Sex. Wenige Jahre nachdem sie zusammengekommen waren, zog sie sich einfach aus der Sexualität zurück.

Mir war nicht klar, was das zu bedeuten hatte. War Dora in den ersten Jahren beim Sex eine Art begehrenswerte Statistin gewesen, die Sex über sich ergehen ließ? War Sex zum ewigen Aufschieberitis-Projekt geworden?

Egal wie – es klang enorm stressig. Sex als großer rosa Elefant zwischen mir und meinem Partner. Ich stellte mir vor, wie viele Schuldgefühle und wie viel Druck das Thema mit sich brachte, dass Sex tatsächlich mehr zu einem lästigen Gedanken wurde als zu einem lustvollen Miteinander.

Jede einzelne Falte auf Doras Stirn erzählte, wie belastend die Situation für sie war.

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Ein erster Schritt.

Ich fragte Dora, ob sie sich schon mal selbst berührt hatte.

„Ja klar!“ Ihre Antwort kam überstürzt, und zugleich schien sie sich zu schämen. In einer Welt, in der Sex so allgegenwärtig ist – wer will sich da schon eingestehen, dass der eigene Körper ein Buch mit sieben Siegeln ist?

Wie wichtig Sexualität in der Beziehung war, verstand ich selbst erst wenige Jahre zuvor. Ich besuchte ein paar Kurse, die mir Sexualität auf eine neue und entspannte Art nahebrachten.

„Was war schrecklich, Dora? Und wieso hässlich? Hast du dir deine Vagina mit einem Spekulum angeschaut?“

„Nein, aber ich habe meinen Finger reingesteckt, so wie du gesagt hattest, und es fühlt sich einfach hässlich an.“

Dora verzog ihr Gesicht, als hätte sie gerade etwas enorm Ekliges gesehen.

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Von Abwehr zur Neugier.

„Aber was hast Du gespürt?“, fragte ich sie mit strenger Stimme. Ich kannte Dora seit vielen Jahren und wusste, dass sie manchmal von ihren Gefühlen überwältigt wurde.

Sie legte ihre Stirn in Falten, schaute suchend auf den Tisch.

„Nicht viel. Es war feucht und irgendwie rau.“

„Rau? Mensch Dora, Du hast Deine G-Fläche gespürt!“

Ich suchte in meinem Handy nach einer anatomischen Zeichnung der Vagina und zeigte ihr die G-Fläche.

„Schau Dora, das hast Du gespürt. Das ist kein mystischer Punkt, den Du treffen musst – das ist eine Fläche, und die ist bei den meisten Frauen gar nicht so klein.“

Sie schaute sich das Bild an. Die Falten auf ihrer Stirn wurden ein wenig weicher.

💡 Wie funktioniert Doras Übung genau? Und warum hilft bewusstes Spüren wirklich?
Die Antworten findest Du in den FAQs weiter oben – inklusive praktischer Anleitungen.

Wo echte Lust für Frauen beginnt.

„Wirklich? Aber das fühlt sich nicht schön an.“

„Das muss es auch nicht. Du hast Dich vermutlich erschreckt, weil Du etwas anderes erwartet hast. Die Vagina muss nicht schön sein – sie darf auch einfach Spaß machen. Du musst sie nur besser spüren lernen.

Sie war skeptisch. Das Konzept, dass Frauen nicht nur adrett und unkompliziert sein müssten, war ihr sichtlich neu.

Ich schlug Dora vor, dass sie sich eine Woche lang täglich für ein paar Minuten selbst berührte und sich eine kurze Notiz machte, was sie dabei gespürt hatte. Ich sah ihr an, dass ihr noch nicht klar war, wie sie das dem Thema Sexualität näher bringen sollte – aber sie verstand, dass es ein Anfang war.

Bei unseren Treffen sprachen wir immer wieder über das Thema Sexualität. Sie führte mittlerweile ein Tagebuch, auf dem sie die Übungen und Erkenntnisse festhielt.

Anatomische Zeichnung einer Vagina mit markierter G-Fläche
💡 Wie funktioniert Doras Übung genau? Und warum hilft bewusstes Spüren wirklich?
Die Antworten findest Du in den FAQs weiter oben – inklusive praktischer Anleitungen.

Ich gewann den Eindruck, dass die Falten auf ihrer Stirn, der Ekel vor ihrer Vagina und die Scham mit der Zeit Stück für Stück weniger wurden.

Als Dora mir das erste Mal von lustvollen Empfindungen berichtete, sah ich eine Mischung aus Freude und Stolz in ihrem Gesicht.

Mittlerweile sprach sie nicht nur mit mir über das Thema Sex, sondern auch mit ihrem Freund. Sie sprachen gemeinsam über ihre Wünsche und Sorgen und verabredeten sich zum Sex.

Aber das Beste war eigentlich: Sie tat es nicht nur für die Beziehung zu Siggi. Nein – sie fing an, sich für sich selbst zu interessieren und wurde von Monat zu Monat sexuell selbstbewusster.

Go Dora.

 

Von Herzen,

 

P.S. – Dein nächster Schritt

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FAQ: Deine Vagina – Deine Fragen – Deine Antworten

Hier beantworte ich die 5 Fragen, die mir Frauen wie Dora am häufigsten stellen – ehrlich, einfühlsam und ohne Tabus.

Die G-Fläche (oft G-Punkt genannt) ist ein erogendes Areal an der vorderen Vaginalwand, etwa 3-5 cm tief im Inneren. Anatomisch gesehen ist sie Teil des Schwellkörpergewebes, das die Harnröhre umgibt – eine Art innere Fortsetzung der Klitoris.

Wie fühlt sie sich an?
Leicht rau und gerillt, wie eine kleine Walnuss. Das ist völlig normal und kein Zeichen für „hässlich“ oder „falsch“ – genau wie Dora im Text musste vielleicht auch du erst lernen, dass deine Vagina nicht „schön“ sein muss, sondern einfach gespürt werden darf.

Funktion:
Bei Erregung schwillt die G-Fläche an und kann lustvolle Empfindungen auslösen. Aber: Nicht jede Frau empfindet Stimulation dort als angenehm – und das ist völlig in Ordnung. Es gibt viele Wege zu Lust.

Vorbereitung:
Nimm dir 10-15 Minuten Zeit, wenn du entspannt und ungestört bist. Kein Druck, nur Neugier.

So geht’s:

  1. Position: Leg dich auf den Rücken, zieh die Knie leicht an.
  2. Finger einführen: Führe einen Finger (mit kurzem Nagel!) etwa 3-5 cm tief in deine Vagina ein.
  3. Vordere Wand ertasten: Taste die vordere Vaginalwand ab (Richtung Bauchdecke, nicht Richtung Po). Du spürst dort eine leicht raue, geriffelte Fläche.
  4. Sanfter Druck: Probiere sanften, kreisenden Druck oder eine „Komm her“-Bewegung mit dem Finger.

Wichtig:
Am Anfang fühlt sich das vielleicht neutral, komisch oder sogar unangenehm an – genau wie bei Dora. Das ist normal! Die G-Fläche wird erst durch regelmäßige, achtsame Berührung sensibler und lustvoller. Gib dir und deinem Körper Zeit.

Der Schlüssel liegt nicht in der Bewertung, sondern im Spüren.

Dora hat es vorgemacht: Sie sollte nicht lernen, ihre Vagina „schön“ zu finden, sondern sie besser zu spüren. Das ist ein riesiger Unterschied.

Deine Mini-Anleitung (wie Dora):

  1. 5-10 Minuten täglich: Berühre deine Vulva und Vagina – ohne Ziel, ohne Erwartung. Einfach nur spüren: Wie fühlt sich die Haut an? Wo ist es warm? Wo sensibel?
  2. Nicht bewerten: Es geht NICHT darum, ob es „schön“ oder „hässlich“ ist. Es geht darum, was du fühlst: feucht? rau? weich?
  3. Notizen machen: Schreib 1-2 Sätze auf, was du gespürt hast. Das hilft deinem Gehirn, Verbindungen zu schaffen.
  4. Geduld haben: Dein Körper braucht Zeit, um zu vertrauen – genau wie Dora brauchte es Wochen, bis die Falten auf ihrer Stirn weicher wurden.

Warum funktioniert das?
Dein Gehirn lernt durch Wiederholung. Jede bewusste, sanfte Berührung stärkt die neuronalen Verbindungen zwischen Tastsinn und positivem Empfinden. Mit der Zeit wird aus Fremdheit Vertrautheit – und oft auch Lust.

Das hat meist nichts mit deiner Anatomie zu tun, sondern mit fehlender Vernetzung im Gehirn.

Was passiert?
Wenn du deine Vagina jahrelang kaum bewusst berührt oder gespürt hast, gibt es dort im Gehirn nur schwache Verbindungen. Dein Gehirn „weiß“ einfach nicht, dass dort etwas Lustvolles passieren könnte.

Die Lösung: Bewusstes, wiederholtes Spüren

  • Regelmäßige Selbstberührung (wie in Doras Übung) trainiert dein Gehirn
  • Mit jedem Mal werden die neuronalen Pfade stärker
  • Nach einigen Wochen: Du spürst mehr Empfindungen, mehr Nuancen
  • Und irgendwann: echte Lust

Andere Gründe für wenig Spüren:

  • Zu schnell zur Penetration: Dein Körper braucht 15-20 Minuten, um richtig erregt zu sein. Ohne Erregung = wenig Empfindung.
  • Verkrampfung: Stress oder Angst lassen dich unbewusst verspannen – das dämpft jede Empfindung.
  • Trockenheit: Zu wenig Feuchtigkeit = weniger angenehme Reibung. Gleitgel hilft!

Wichtig: Penetration ist nicht der einzige Weg zu Lust. Die meisten Frauen brauchen klitorale Stimulation – und das ist völlig normal.

Kurze Antwort: Ja, sehr wahrscheinlich.

Warum diese Frage so häufig ist:
Sie kommt meist nicht aus echten körperlichen Problemen, sondern aus Unsicherheit und der Gewohnheit zu bewerten statt zu spüren. Wir vergleichen uns mit unrealistischen Bildern (Pornos, retuschierte Fotos) und fragen uns: Bin ich falsch?

Wann solltest du zum Arzt?

  • Bei Schmerzen (beim Sex, beim Wasserlassen, generell)
  • Bei auffälligem Ausfluss (fischig riechend, gelblich-grün, bröckelig)
  • Bei Juckreiz oder Brennen, das nicht weggeht
  • Bei Blutungen außerhalb der Periode

Ansonsten: Spüren statt bewerten

  1. Regelmäßiger Kontakt: Schau dir deine Vulva mit einem Spiegel an. Nicht um sie schön zu finden, sondern um sie kennenzulernen.
  2. Wiederholung schafft Akzeptanz: Wir mögen häufig das, was wir regelmäßig sehen. Je öfter du hinschaust, desto normaler wird es. Genau wie dein Gesicht im Spiegel – am Anfang komisch, dann einfach „du“.
  3. Vielfalt ist normal: Schamlippen können groß, klein, asymmetrisch sein. Farben reichen von rosa über braun bis dunkelviolett. Es gibt keine zwei gleichen Vulven – und das ist gut so.

Doras Weg zeigt: Es geht nicht darum, deine Vagina perfekt zu finden. Es geht darum, sie zu spüren, zu kennen und anzunehmen – mit all ihren rauen, feuchten, einzigartigen Facetten.

Mehr erfahren?

– Buchempfehlung: „Viva la Vagina“ Alles über das weibliche Geschlecht | Nina Brochmann, Ellen Støkken Dahl | Fischer Taschenbuch

– Bei Unsicherheiten oder Beschwerden: Sprich mit einer Gynäkologin