Ich bin Mira, Sexualtherapeutin, und begleite Frauen dabei, ihre Lust wiederzufinden.
In diesem Artikel: Lust beginnt nicht beim anderen. Sie beginnt bei Dir.

„Du hast Dich verändert“ Elisas Stimme klang fast besorgt. 

„Was meinst Du?“, fragte ich und lies meine Füße im Wasser kreisen. 

„Früher hättest Du Dir die Männer hier im SPA genau angeschaut und mir ausführlich von Deinem aktuellen Liebhaber erzählt.“, eine Spur Empörung schwang in ihrer Stimme mit.

„Menschen verändern sich“, gab ich kurz zurück. Unsere Saunagänge hatten mich aufgeweicht. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihr gestehen wollte, dass ich keine Lust mehr auf Sex hatte.

Verlorene Lust

„Hm. Was bedeutet das?“ Elisa hatte die Fährte aufgenommen. „Sexualität hatte dochBedeutung in Deinem Leben, ganz gleich, ob Du in Beziehung oder Single warst.“

Sie hatte recht. Und ich musste mir eingestehen, dass ich es seit Monaten mied darüber nachzudenken, weshalb ich den Datingmarkt mittlerweile mied.

Ich zog den Knoten meines Bademantels enger und spürte einen feinen Schleier von Trauer mitten in meinem Brustkorb sitzen.

Ich lehnte mich gegen die Wand und schloss die Augen.

Kurz nach meiner Trennung war ich in das aufregende Leben eines Singles eingetaucht. Die Treffen mit verschiedenen Menschen brachten eine wohltuende Ablenkung von dem Trennungsschmerz mit sich. Die sexuellen Abenteuer hingegen erfüllten meine Sehnsucht nach Aufregung, die ich in meiner langjährigen Beziehung so schmerzlich vermisst hatte. Ich genoss diese Freiheit in vollen Zügen.

Aber ab irgendeinem Zeitpunkt wurden diese Begegnungen zunehmend immer belastender. Mir war nicht klar, an welcher Stelle sich dieser Wandel vollzog, aber rückblickend wurde es deutlich wie ich mich aus meinen erotischen Begegnungen immer schneller zurückzog.

„Ich denke das Thema Liebhaber reizt sich mit der Zeit einfach aus.“, ich ließ meine Schultern sinken.
Elisa hob ihre Augenbraue, sie war breit weitere Details zu hören.

Ich zog die Füße aus dem Wasser und atmete aus. Vor meinem inneren Auge spielten sich meine letzten erotischen Treffen ab. Ich suchte die Erinnerungen nach den Momenten ab, in denen ich oder mein Gegenüber sich aus dem Kontakt zurückzogen.

Irgendwann wollte immer jemand mehr – oder weniger – als das was ich geben konnte.
Immer häufiger war ich auf der Hut davor, ausgesaugt zu werden.

„Nach ein paar Treffen werden nur noch die Bedürfnisse einer Person befriedigt“, antwortete ich schließlich. „Das ist doch in den allermeisten Beziehungen so.“ Elisa traf ins schwarze, meine Trauer wandelte sich in Schmerz.

„Das ist doch etwas vollkommen anderes!“ Ich bäumte mich ein letztes Mal auf. „In einer Beziehung kann man mit dem Partner über Probleme sprechen.“

„Ja genau, weil das ja in Beziehung immer so einfach ist.“ Elisa schaute mich mit ihrem vertrauten Schalk an und wir mussten beide lachen.

Rückblickend

Ich kühlte meine Stirn mit meinem Wasserglas.
Dass mein Partner und ich eine gemeinsame Lösung für unsere Sexlosigkeit gefunden hatten, schien mir nicht mehr selbstverständlich.

Lange Zeit mied ich es, gemeinsam ins Bett zu gehen, googelte an vielen Abenden nach einer Lösung und fühlte mich einfach nur elend.

Letztlich waren es die vielen Gespräche mit Elisa, die mich motivierten sexuell neues auszuprobieren. 

„Was schlägst Du vor, Doc?“ ich schaute Elisa an.  

Sie legte ihren Bademantel ab, „Aus all dem, was ich von Dir weiß, gibst Du dem anderen immer wieder zu viel Raum, anstatt Dir zu nehmen, was Du brauchst.“

Für einen Moment schnürte sich mir alles zusammen. 

💡 Warum Sexualität im eigenen Körper beginnt und wie Du zurück findest —
Antworten und eine Anleitung (Download) findest Du unten in den FAQ.

Lust braucht Körper braucht Raum

„Ich verstehe nur nicht, wie ich das umsetzen soll?“ Eine kleine Gruppe Männer beobachtete uns.

„Wenn Du beim Sex nicht umsetzt, was wir in den letzten Wochen mit den anderen erkundet haben, bleibt es nur eine Trockenübung.“

Ich seufzte. Die Körperübungen hatte ich immer für mich gemacht – nie als Vorbereitung für das was im Bett mit jemand anderem passiert.

Elisa ließ sich in Wasser gleiten und tauchte kurz unter.

„Dein Sex, braucht mehr Körper, Deinen Körper.“
.

Von Herzen,

*Die Figuren und Geschichten in diesem Blog sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht beabsichtigt.
P.S. Deine Fragen zu Sexualität & Körper

Erkennst Du Dich in der Geschichte wieder?
In den FAQ weiter unten erfährst Du mehr darüber, wie Dein Körper mit Lust und Begehren verbunden ist.


P.P.S. – Dein nächster Schritt

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FAQ: Sexualität braucht Körper

Lust und Liebe folgen unterschiedlichen Gesetzen.

Liebe entsteht durch Vertrautheit und Sicherheit – Lust braucht häufig noch: Spannung, Neuheit, das Gefühl der eigenen Lebendigkeit.

Manche Frauen richten ihre Aufmerksamkeit beim Sex stark auf den anderen – seine Bedürfnisse, seine Reaktionen, seine Lust.

Die eigene Lust gerät dabei in den Hintergrund, ohne dass man es bewusst bemerkt.

Nicht selten ziehen Frauen sich an diesem Punkt enttäuscht aus der Sexualität zurück, anstatt mehr Raum einzunehmen.

Ja, aber normal bedeutet nicht unvermeidlich.

Lustlosigkeit in langen Beziehungen entsteht häufig aus einer Mischung aus Kommunikation, Paardynamik und der Beziehung zum eigenen Körper.

Das Gute ist die Beziehung zum eigenen Körper und zur sexuellen Lust können Frauen auch allein erkunden.

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Mehr erfahren?

Buchempfehlung: „Untrue“ – Warum fast alles, was wir über weibliche Untreue zu wissen glauben, unwahr ist | Wednesday Martin | eBook Berlin Verlag (2019)

  1. Tu etwas worauf Du Lust hast

    Ganz egal was es ist, Sport, Lesen, Musizieren, Stricken.

    Finde etwas bei dem es Dir leicht fällt, dass was Du tust ganz zu genießen.

    Das Einzige, was nicht erlaubt ist Netflix & Chill oder Scrollen.
    .

  2. Berühre Deinen Körper

    Finde heraus wie Du gern berührt werden möchtest. Das kannst Du einfach beim Eincremen nach dem Duschen ausprobieren.
    Tu von dem, was sich wohl anfühlt mehr.
    .

  3. Berühre Dich intim

    Sex muss Spaß machen, ansonsten ist das zu zweit einfach anstrengend(!).

    Finde heraus wie Dir das Berühren Deiner Brüste, Vulva und Vagina wirklich gefällt, sodass Du es jemandem genau beschreiben kannst.

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Sei geduldig mit Dir. Das was wir über viele Jahre verlernt haben braucht seine Zeit, bis es sich wieder entfalten kann. 🩷


In den verlinkten Artikeln findest Du gezielte Übungen, um Deine
Vulva und Vagina besser kennenzulernen.

Wenn Du Dir in den letzten Jahren angewöhnt hast Deine Lust mit einem Vibrator auszuleben, interessiert Dich vielleicht auch der Artikel zu dem Thema Vibrator und Lustlosigkeit.

>> Die Übungen findest Du jeweils in den FAQ als Download.

Sexualität ist eine körperliche Erfahrung – aber viele Menschen erleben Sex hauptsächlich über den anderen.

Was der andere tut, was der andere braucht, wie der andere reagiert. Der eigene Körper wird dabei zur Reaktionsfläche statt zum Ausgangspunkt.

Körpergefühl bedeutet: Du nimmst wahr was in Dir passiert – Genuss, Erregung, Spannung, Lust – bevor du reagierst.
Das klingt selbstverständlich ist es aber nicht.

Unser Alltag fordert von uns häufig die Orientierung auf das Außen, anstatt nach innen.

Sexualität und Lust brauchen wahrnehmen und spüren, also den Fokus nach innen.

Viele Menschen haben die Sorge, egoistisch zu sein, wenn sie sich beim Sex auf sich selbst konzentrieren.

Das Gegenteil ist der Fall.

Nach innen zu lauschen verfeinert in der Regel die Wahrnehmung auch für das Gegenüber. 

Es geht nicht um einen absoluten Zustand, in dem man nur noch sich spürt und den Rest der Welt ausschaltet, um ungestört zu sein.

Es ist mehr wie das Verschieben eines Reglers hin zu mir. Mehr Raum für Dich bedeutet, auch Raum für den anderen zu haben, einen realistischen Raum.