Ich bin Mira, Sexualtherapeutin, und begleite Frauen dabei, ihre Lust wiederzufinden.
Die Geschichte von Emmy* fragt, was geschieht wenn wir unsere Brüste spüren statt sie zu bewerten.
Die Jagd nach dem perfekten BH
„Ich trage nur noch solche“ Elisa riss ihr T-Shirt für einen kurzen Augenblick hoch und zeigte uns stolz ihre Brüste in einem bequemen Bralette.
Dora und mir liefen die Tränen vor Lachen. Elisa war in Höchstform.
Emmy stellte verlegen ihre kleine Tüte mit dem neuen BH ab und setzte sich zu uns. Vor wenigen Minuten war sie vollkommen außer Atem, in das Restaurant, an unseren Tisch, geeilt. Emmy hatte sämtliche Dessous-Geschäfte, nach dem perfekten BH durchforstet.
Nachdem Elisa ihre Brüste wieder verhüllt hatte und unser Lachen verklungen war, fragte Dora neugierig: „Ein perfekter BH?“ Sie zog verheißungsvoll ihre Augenbrauen hoch. „Das ist er!“ Emmy hielt eine kleine Tüte bedeutungsvoll in die Luft. Sie schien so erleichtert, als stünde etwas auf dem Spiel.
„Zeig her!“, rief Dora ungeduldig. „Nicht hier!“ Emmy schaute sich schüchtern um.
Sie erzählte uns von der Jagd nach dem einen BH, in dem ihre Brüste optimal zur Geltung kamen. „Der perfekte BH!“ Sie zeigte uns ein Foto aus der Umkleidekabine.
Auf dem Bild sah man zwei große, wohlgeformte Brüste in einem eleganten Balconette-BH. Ihre Brüste wirkten in dem BH tatsächlich wie man, das von Werbeplakaten kannte — groß, wohlgeformt, perfekt verpackt.
„Wow! Emmy! Versteckst du die sonst?“, rief Elisa begeistert. Emmy wirkte verlegen und antwortete in einem traurigen Ton: „Ja.“
„Andere Frauen legen viel Geld auf den Tisch, um solche Brüste zu bekommen.“ Elisa schaute kurz auf Emmys Brüste.
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Was Brüste erinnern
Emmy erzählte uns, dass sie wegen ihrer Brüste seit der Jugendzeit konstant verunsichert war. Der männliche Zuspruch hatte es für sie damals verschlimmert.
„Oh ja, das war echt nicht leicht damals“, stimmte Dora zu. „Und das, obwohl ich ja wirklich kleine Brüste habe.“
„Ich würde sofort mit dir tauschen“, antwortete Emmy.
Ich verstand auf einmal, weshalb Emmy über einige Jahre immer weite Pullover trug, und das, obwohl sie eine wundervolle weibliche Figur hatte.
Erst durch ihre Beziehung hatte sie angefangen, ihre wohlgeformten Rundungen zu betonen.
„Ja, für ein paar Jahre hat mich meine Beziehung an der Stelle entspannt“, bestätigte Emmy meinen Eindruck, „aber mein Körper hat sich verändert und ich frage mich, was, wenn er mich mit hängenden Brüsten nicht mehr attraktiv findet?“
Sie war sichtlich besorgt.
„Das kommt mir bekannt vor.“ Ich schaute Dora an, sie nickte.
„Du glaubst doch nicht, dass nur deine jugendlichen, straffen Brüste ausschlaggebend für eure Beziehung waren!“, Elisa schien empört.
„Natürlich nicht“, erwiderte Emmy, „aber er wäre auch nicht der erste Mann, der sich plötzlich eine jüngere Frau sucht.“
„Nein, das wäre er nicht.“ Trauer flutete für einen Moment meinen Körper.
Ich erinnerte mich an den Moment, in dem ich erfahren hatte, dass mein Freund sich vor wenigen Jahren wegen einer anderen Frau getrennt hatte.
Ich hatte mir nie die Mühe gemacht herauszufinden, ob diese Frau jünger oder älter war als ich, erinnerte mich aber zu gut daran, wie meine Gedanken über Monate alle Kategorien des Neides durchspielten.
Wir unterhielten uns eine Weile über unsere Brüste.
Während Dora von größeren Brüsten träumte, fand Emmy ihre Brüste zu groß, und selbst unsere selbstbewusste Elisa hätte gern perfekter geformte Brüste gehabt.
Ich war die einzige, die wirklich zufrieden mit ihren Brüsten war. Die Erkenntnis überraschte mich selbst.
Wem gehören Deine Brüste?
„Ich frage mich langsam, wem unsere Brüste eigentlich gehören?“ Dora wirkte ernst.
Seitdem sie in den letzten Monaten ihre eigene Lust erobert hatte, nahm sie diese Themen zutiefst persönlich.
„Je nachdem“, warf Elisa lachend ein. „Mal der Wäscheindustrie, mal dem Sexpartner und den Gynäkologen, die unsere Brust einmal im Jahr abtasten, natürlich.“
„Also niemals uns.“ Dora blieb unbeirrt.
„So habe ich das noch nie gesehen“, sagte Emmy. „Aber ja, bisher ging es immer nur darum, wie andere Menschen auf meine Brüste reagieren, aber nie darum, wie es mir mit ihnen geht.“
Spüren statt perfektionieren
Niemand sagte etwas. Ich spürte, wie sich etwas in der Runde verschob — als hätten wir alle gleichzeitig denselben Gedanken, nur noch nicht in Worte gefasst.
„Dora, ich glaube, es ist Zeit für ein Brüste-Projekt“, sagte ich. Dora nickte, während sie bereits nach ihrem Handy suchte.
„Brüste-Projekt?“, fragte Emmy irritiert.
Dora, Elisa und ich trugen zusammen, was uns bei unseren letzten Treffen geholfen hatte, unsere Körper besser anzunehmen. Wir einigten uns darauf, unsere Brüste täglich morgens oder abends im Bett einfach zu halten und uns auf die Körperempfindungen zu konzentrieren.
„Emmy, jede von uns hat Sorge um ihre Beziehung, aber wir haben alle Lösungen bisher immer im Außen gesucht“, erklärte ich.
„Lass uns ausprobieren, was geschieht, wenn wir zuerst die Beziehung zu unseren Brüsten herstellen, anstatt sie zu perfektionieren.“
Emmy schwieg, für einen Moment blieb ihr die Luft weg.
„Wenn es nicht klappt, kaufen wir einfach weiter schöne BHs ein“, lockerte Elisa die Atmosphäre wieder auf.
💡Weshalb es wichtig ist Deine Brüste zu spüren statt sie zu bewerten?
Die Antworten und eine kurze Anleitung (Download) findest Du unten in den FAQ.
Emmy willigte ein. Die Vorstellung, dass so eine simple Übung etwas an der Beziehung zu ihrem eigenen Körper ändern könnte, war ihr vollkommen fremd.
„Ob und wie einfach es ist, werden wir sehen“, sagte Dora.
Sie schlug vor, dass wir das Projekt bis zu unserem nächsten Treffen laufen ließen und jeden Sonntag Feedback gaben. „Ein kurzes Feedback dazu, was ihr gespürt habt. Weder positive noch negative Bewertungen.“
Emmy willigte ein. Die Vorstellung, dass so eine simple Übung etwas an der Beziehung zu ihrem eigenen Körper ändern könnte, war ihr vollkommen fremd.
„Ob und wie einfach es ist, werden wir sehen“, sagte Dora.
Sie schlug vor, dass wir das Projekt bis zu unserem nächsten Treffen laufen ließen und jeden Sonntag Feedback gaben.
„Ein kurzes Feedback dazu, was ihr gespürt habt. Weder positive noch negative Bewertungen.“, sagte sie streng.
„Keine positiven Bewertungen?“, fragte Elisa. „Das klingt sehr streng, Dora.“
„Vertrau mir“, sagte Dora unbeirrt.
Emmy schien erstaunt über diesen neuen Spirit in unserer Gruppe. Sie wirkte gerührt, zum ersten Mal nicht allein mit diesen Gedanken zu sein.